Freiraum Mitte

Zentraler Bestandteil von Geras Neuer Mitte ist ein neuer Grünzug vom Puschkin-Platz bis zur Vogelinsel. Neu gestaltet werden auch der Platz vor dem KuK und der Museumsplatz. Hierzu hat die Stadt Gera am 24. Dezember 2019 einen offenen Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgelobt. Das Preisgericht aus Landschaftsarchitekten und Bürgern tagte am 26. Mai 2020. Die Ergebnisse wurden vom 2. bis 30. Juni 2020 im KuK ausgestellt.

Offener Ideen- und Realisierungswettbewerb
Gera: Freiraum Mitte

Als Impulsprojekt zur Revitalisierung der Innenstadt  wird der neue Freiraum Mitte des Oberzentrums Gera in Ostthüringen, welches sich zur Regiopole Mitteldeutschlands entwickelt, ausstrahlen. Damit einher geht die Suche nach neuen Verhältnissen von Stadt und Land, von Bebauung und Freiraum im zeitgenössischen Maßstab und mit einem neuen Nutzungsprofil für heute 95.000 Einwohner als öffentlicher und demokratischer Raum der Stadtgesellschaft.

Kernelemente des geplanten Innenstadtquartiers sind ein Grünzug und die Plätze vor dem Kultur- und Kongresszentrum (KuK) und am Stadtmuseum. Als Projekt der Internationalen Bauausstellung IBA Thüringen sucht die Stadt Gera nach einer unverwechselbaren Gestaltung, die eine hohe Aufenthaltsqualität in ihre zentralen öffentlichen Räume bringt. Während der Einzelhandel als Motor innerstädtischer Entwicklung zunehmend sein Alleinstellungsmerkmal verliert, gewinnen Kultur, Bildung, Freizeit und Begegnung mehr Bedeutung. Der Freiraum Mitte soll zur künftigen Bühne der Stadtgesellschaft werden. Dies schließt die große Stadtterrasse des KuK mit ein.

Für die künftige Gestaltung des Freiraum Mitte hat die Stadt Gera gemeinsam mit der IBA Thüringen einen offenen Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgelobt. Bund und Freistaat Thüringen unterstützten das Verfahren aus Mitteln der Städtebauförderung. Teilnahmeberechtigt waren Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten sowie Stadtplanerinnen und Stadtplaner. Zum 17.03.2020 wurden 19 Arbeiten fristgerecht eingereicht. Das Preisgericht tagte am 26.05.2020.

 

Die folgenden Texte sind Auszüge aus dem Protokoll.

Blick vom Stadtmuseum zum KuK, GRIEGER HARZER
Blick vom Stadtmuseum zum KuK, GRIEGER HARZER
Blick in den Lesegarten, GRIEGER HARZER
Blick in den Lesegarten, GRIEGER HARZER

1. Preis GRIEGER HARZER Landschaftsarchitekten, Berlin

Die Verfasser entwickeln eine einfache und eingängige gestalterische Sprache, die Vieles zu leisten vermag. Die neue Oberflächenstruktur reicht allseits bis an die Fassaden heran und löst dabei die üblichen Funktionsgrenzen von Verkehrs- und Grünflächen auf. Das unverwechselbare Muster entfaltet eine eigene gestalterische Wirkung, die selbstbewusst in einen Dialog mit der heterogenen Umgebung eintritt. Topografische und funktionale Besonderheiten lassen sich in den Maschen geschickt integrieren, darunter auch die große Platane, und werden zu besonderen, gestalterischen Momenten entwickelt. In seiner Materialität bietet das Kleinpflaster eine sinnliche Anmutung, die mit den großformatigen Bändern kontrastiert.

Die Baumstandorte können innerhalb des Belagmusters flexibel auf die jeweilige Randbebauung reagieren. So sind die Baumzeilen am Haus am Brühl und der Otto-Dix-Passage geschickt gesetzt.
Sie betonen die Blickbeziehung zwischen Stadtmuseum und KuK.

Der Entwurf zieht seine Kraft aus einem „grünen Herz“, das sich nach Norden und Süden auflöst. Das interessante Raumgerüst vor dem KuK ist sowohl als temporäre als auch als dauerhafte Struktur denkbar und lässt sich vielseitig bespielen. Die schlanke, transparente Form konkurriert nicht mit dem KuK, lässt den gesamten Freiraum als großzügige Mitte erleben und schafft gleichzeitig eine zusätzliche räumliche Dimension am Platz. Die große KuK-Terrasse ist mit einem filigranen Steg angebunden. Mit diesem Vorschlag hinterfragen die Verfasser den Bedarf und die Rolle des Hauses am KuK und bieten eine interessante Alternative an.

Insgesamt wird ein strategisch cleverer Ansatz gekonnt ausgearbeitet. Geras Mitte gewinnt mit diesem Vorschlag einen identitätsstiftenden, spielerischen und anziehenden Ort, der einen eigenständigen Sozialmagnet und eine lebendige Adresse für Gera bildet.

Preisvergabe

1. Preis GRIEGER HARZER
Landschaftsarchitekten, Berlin
3. Preis mesh landschaftsarchitekten,
Prominski – Nakamura – Prominski, Hannover
3. Preis Levin Monsigny
Landschaftsarchitekten, Berlin
Anerkennung Stötzer Landschaftsarchitekten, Freiburg
Anerkennung Franz Reschke Landschaftsarchitektur, Berlin

Leitidee: Grüne Bühne der Stadt

Geras neue Mitte ist „Labor“, grüne Bühne und Motor von Ideen für das Gera von morgen. Es ist ein Ort des bürgerlichen Selbstverständnisses für die Einwohner der Stadt. Ein wertiges Großsteingranitpflaster mit gliedernden Bändern nimmt die Dimensionen des KuK sowie angrenzender Bauten auf. Durch die 45°-Drehung und das wellige Auflösen der Ecken erhält die Bänderung eine freie spielerische Qualität. Die rautenförmigen Grünelemente definieren vielfältige Nutzungsbereiche, topographische Erhöhungen und begleitende Senken für die Regenwasserversickerung. Sie lösen definierte Sehgewohnheiten und Vorstellungen von städtischen und ländlichem Grün auf.

Die sogenannte „Neue Zitronenpresse“ am Platz vor dem KuK ist weithin sichtbarer Anziehungspunkt und belebt hier die Idee eines Stadtreffs neu. In eine Struktur aus Standardgerüstteilen ist eine große Freitreppe als Tribüne integriert, die markant auf die Gastronomie der Außenterrasse des KuKs führt. Unter der Treppenskulptur ist Raum für bürgerschaftliches Engagement und IBA-Treff. Ein Wasserspiegel mit Sitzmöglichkeiten vis-a-vis des KuK steigert die Aufenthaltsqualität besonders in den heißen Sommermonaten.

Das Stadtmuseum wird durch die Verkehrsberuhigung sowie neuen Pflasteroberflächen angemessen eingefasst. Wenige Baumneupflanzungen setzen locker verteilten lichten Schatten auf dem Platzbereich. Ein Besonderheit stellen die Vitrinen dar, welche Ausstellungsstücke von aktuellen Ausstellungen des Stadtmuseums enthalten. Entlang der Erdgeschosszone des KuK werden neue Schaukästen zur kommunikative Schnittstelle mit den kulturellen Aktivitäten.

GRIEGER HARZER Landschaftsarchitekten

Nina Dvorak, Stefan Grieger, Norman Harzer, Markus Storch, Philipp Steinbacher

"Geras neue Mitte ist „Labor“, grüne Bühne und Motor von Ideen für das Gera von morgen."

GRIEGER HARZER

3. Preis
mesh landschaftsarchitekten,
Prominski - Nakamura - Prominski,
Hannover

3. Preis
Levin Monsigny
Landschaftsarchitekten,
Berlin

Geras Neue Mitte wird zur Bühne

Eindrücke aus den Zwischennutzungsprojekten von 2018 bis 2020

"Geras Neue Mitte kann Generator eines Aufschwungs werden, der sich in Zukunft nicht nur im Zentrum der Stadt widerspiegelt."

Max Marcus Schreiner, Kurator 2018 - 2020
Geras Neue Mitte